Zum Inhalt springen

Im Interview: Dennis Markus, Geschäftsfeldmanager i-systems bei GRIMME

„Alle ziehen an einem Strang!“ 

AGRARMONITOR x Grimme

AM: Die Schnittstelle zwischen AGRARMONITOR und GRIMME ist jetzt seit einiger Zeit aktiv. Wie ist die Zusammenarbeit ursprünglich zustande gekommen? 

Dennis Markus: Da muss ich weiter ausholen. Im Jahr 2017 haben wir uns bei GRIMME das Ziel gesetzt, ein Endkundenportal zu entwickeln. Damit wollen wir einen direkten Kontakt zu den Kunden erreichen. Seitdem hat sich viel getan: Das Portal umfasst alles rund um GRIMME, z.B. digitale Services rund um die Maschinen, einen Webshop, an einem zentralen Punkt für die Kunden. Darunter zählt auch die Konnektivität, also die Live Daten der Maschinen sowie die Dokumentation. Da immer mehr GRIMME Kunden, speziell aus dem Bereich der Rübentechnik, auch Kunden von AGRARMONITOR sind, kam in den letzten drei Jahren immer häufiger der Wunsch seitens der Kundschaft auf, eine direkte Schnittstelle (Connection Manager) zu integrieren. Dies hat sich aus dem Markt heraus so entwickelt. Wenn die Kunden mehrere Maschinen haben, wollen sie natürlich alle Daten an einem Ort verarbeiten können. Wir bei GRIMME sehen uns da als ein Glied in der Kette. Hier ist der Dialog zwischen Kunden und Herstellern von höchster Priorität: Alle ziehen an einem Strang! 

AM: Eine digitale Schnittstelle klingt im ersten Moment sehr abstrakt. Können Sie uns kurz die Funktionsweise erläutern? 

Dennis Markus: Die Schnittstelle erfolgt direkt, also ohne Umwege. Die Daten von GRIMME gehen zu AGRARMONITOR. Um die Schnittstelle herstellen zu können, braucht es den Grimme Connection Manager. Dieser ist ein Verbindungspunkt zu Softwareanbietern. Von AGRARMONITOR erhalten die Kunden einen digitalen Schlüssel, der in die Grimme Schnittstelle reinkopiert wird. So entsteht ein Zugang, der die Live Telemetrie Daten ins AGRARMONITOR Portal überträgt.  

Dennis Markus, Geschäftsfeldmanager i-systems bei GRIMME im Austausch mit Laura Stock, AGRARMONITOR Marketing

AM: Welche Daten kann der AGRARMONITOR-Kunde empfangen? 

Dennis Markus: Die Art der Daten hängt von der Maschine ab: von Sätechnik bis zum Kartoffelselbstfahrer ist alles möglich. Wir stellen alle abrechnungsrelevanten Daten bereit, z.B.: Diesel, Arbeitsstunden, Hektarleistungen. Im Connection Manager werden auch die Maschinenstati (z.B. Warten, Straßenfahrt, Feldarbeiten, Pause usw.) dokumentiert dank intelligenter Erkennung. Die Synchronisierung erfolgt etwa alle 20 Sekunden live. Sollte mal kein Mobilfunknetz verfügbar sein, werden die Informationen mithilfe der Telemetrieeinheit zwischengespeichert und zeitverzögert, sobald wieder Netz verfügbar ist, automatisch übertragen.  

AM: Warum ist die Dokumentation der Daten so wichtig? 

Dennis Markus: Das politische Umfeld fordert immer mehr Dokumentation. Sie hilft aber auch bei der Prozessoptimierung auf dem Feld. Wir müssen in den Köpfen verankern, dass Daten einen Wert haben! Dank der Erfahrungswerte sind eine bessere Vorplanung bzw. bessere Rodefenster möglich und die Verantwortlichen können passend reagieren. Die Betriebe müssen sich am besten sofort, wenn nicht schon geschehen, mit ihren Daten auseinandersetzen. Ein gewisser Datenstamm ist für etwaige Auswertungen unbedingt notwendig. Außerdem benötigen Rodegemeinschaften und Lohnunternehmer sauber dokumentierte Informationen für die Abrechnung, dies gehört zum Tagesgeschäft.  

Wir müssen in den Köpfen verankern, dass Daten einen Wert haben! 

Dennis Markus, Geschäftsfeldmanager i-systems bei GRIMME

AM: Man hört das Wort Digitalisierung inzwischen in jedem Lebensbereich. Was hat sich da in den letzten Jahren getan? 

Dennis Markus: Die Digitalisierung hat eine enorme Geschwindigkeit entwickelt. Vor vier Jahren war das Thema für viele noch ganz weit entfernt, da wurde noch in Stahl und Eisen gedacht. Inzwischen hat sich das Bewusstsein geändert, dass sich die Daten von heute auch für morgen lohnen. Die Kunden werden die Informationen in Zukunft immer mehr benötigen, deshalb möchten wir schon heute unseren Beitrag dazu leisten. Unsere Kunden fragen hier inzwischen gezielt nach und erwarten auch eine vernünftige Beratung und flexible Gestaltungsmöglichkeiten. Wir empfehlen dem Kunden eine sogenannte Datenstrategie: Wo möchte ich hin? Welche Möglichkeiten habe ich? Welche Anforderungen habe ich an den/die Hersteller? Es ist auf jeden Fall von Vorteil, wenn der Kunde heute schon weiß, was seine Maschinen können, um dann auf alles, was noch kommen mag, vorbereitet zu sein.  

AM: Was ist denn für die Zukunft geplant?  

Dennis Markus: Die Visualisierung der Live-Daten, um Jobs bei der Feldarbeit zu generieren, steht auf jeden Fall auf der Agenda. Damit kann ich mehrere Maschinen zu unterschiedlichen Zeiten abbilden: Wie oft war ich mit welcher Maschine auf dem einzelnen Schlag? Die einzelnen Sorten sollen zukünftig auch dokumentiert werden können. Zusammengefasst: Wir wollen unseren Kunden mehr Daten zur Verfügung stellen, damit diese die Felddaten und die Maschinendaten umfangreicher analysieren und besser verstehen können. Wir müssen stets die Augen und Ohren offenhalten, was die Kunden wollen, welche Lösungen bzw. Schnittstellen benötigt werden, auch international gesehen.  

Wir wollen unseren Kunden mehr Daten zur Verfügung stellen, damit diese die Felddaten und die Maschinendaten umfangreicher analysieren und besser verstehen können.

Dennis Markus, Geschäftsfeldmanager i-systems bei GRIMME

AM: Wo wird sich die Branche (Landwirtschaft, Lohnunternehmen, Landtechnik) hinbewegen Ihrer Meinung nach? 

Dennis Markus: Es könnte noch wichtiger werden, Daten zu sammeln und diese in verschiedenen Systemen auszutauschen. Man verspielt ansonsten die Chance, die Daten jemals wiederzubekommen und daraus Schlussfolgerungen abzuleiten. Insbesondere in Bezug auf KI könnte dies von großer Bedeutung sein. Fakt ist: Wir müssen uns mit sämtlichen Werkzeugen auseinandersetzen, die Weltbevölkerung wird immer größer, das Klima ändert sich. Es ist wichtig, die vorhandenen Ressourcen so einzusetzen, dass sowohl die Qualität als auch die Quantität erhalten bleiben.  

AM: Welchen großen Herausforderungen steht die Branche neben Klimawandel und wachsender Bevölkerung noch gegenüber?  

Dennis Markus: Der Fachkräftemangel, gerade im Bereich Kartoffeln, ist ein ganz großes Problem. Dazu kommt, dass die Ressource Boden immer weiter schrumpft und wir hier immer mehr in Richtung teilflächenspezifische Behandlung denken müssen, um das Maximale herauszuholen. Hier kommen wir wieder an den Punkt, dass wir mithilfe von Software und Dokumentation die bestmöglichen Optionen herausarbeiten müssen. Wichtig für uns Hersteller ist es, die Daten so bereitzustellen, dass sie für alle abrufbar sind (Stichwort ISOBUS). Die Entwicklung von Software ist i.d.R. schneller als bei Hardware und der Spielraum größer, deshalb können wir hier am besten ansetzen, um die Landwirtschaft zukunftsorientiert voranzutreiben.   

Die Schnittstelle im Einsatz:

Als eins der ersten Unternehmen, durfte der Schafmeister Agrarservice GmbH in Lemgo, die Schnittstelle live im Einsatz testen. Wir haben für unser Video mit dem Disponenten Tobias Löhr über die Vorteile für ihn und für die Fahrer gesprochen.